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Wie man eine Design Thinking Challenge bottom-up organisiert: Meine wichtigsten Erkenntnisse

Wie man eine Design Thinking Challenge bottom-up organisiert

„Design Thinking fetzt.“

Das dachte ich mir sofort, als ich zum ersten Mal mit dieser kundenzentrierten Problemlösungsmethode in Berührung gekommen war. Je mehr ich von Design Thinking gelesen und gesehen hatte, desto mehr hat mich dieses Thema gefangen. Irgendwie schien es mir, dass das was ich dachte und fühlte nun endlich einen Rahmen bekommt, innerhalb dessen ich mich ausrücken kann und der mir hilft meine Glaubenssätze auch über meinen Job zu transportieren. Deshalb war mir schnell klar, das will ich auch unbedingt können! Ein Plan musste her. Eine Bewerbung für eine Zertifizierung zum Design Thinking Coach über meinen Arbeitgeber scheiterte leider. Das war ein Rückschlag für mich, den ich erst einmal verdauen musste. Nach kurzer Regeneration dachte ich mir: „Jetzt erst recht! Diese Absage hält mich nicht davon ab, mich Design Thinking weiter widmen und zu nähern!“ Also schaute ich nach kostenfreien Möglichkeiten am Markt, mich weiterzubilden. Ich folgte verschiedenen Gruppen zum Thema Design Thinking in den sozialen Medien wie Facebook und vernetzte mich auf diese Weise mit Gleichgesinnten und erfahrenen Design Thinkern, trat in den Dialog und Austausch. So wurde ich auch auf den MOOC zum Thema „Inspirations for Design: A Course on Human-Centered Research„, ein kostenfreies Angebot des Hasso Plattner Instituts, für den ich mich sofort einschrieb. Hier hatte ich die Möglichkeit, weiter in die Design Thinking Spähren einzutauchen und mich zu vernetzen. Und weil für mich Lernen am besten über Erleben funktioniert, begann ich meine erste eigene Design Thinking Challenge zu organisieren. Damit begab ich mich auf eine Berg-und Talfahrt der Gefühle. Ich habe währenddessen viel gelernt, die wichtigsten Punkte möchte ich mit Euch teilen.

1. Finde eine Herausforderung in deinem eigenen Verantwortungsbereich

Finde eine Challenge in deinem Verantwortungsbereich
Finde eine Challenge in deinem Verantwortungsbereich

Zum Glück haben alle Themen, für die ich verantwortlich bin, End-to-End Charakter. Das ist mir wichtig und das halte ich aufrecht so gut es geht. Das bedeutet, ich steuere und entscheide von der Budgetplanung bis zum Kostencontrolling komplett allein meine Themen und habe dadurch eine reduzierte Schnittstellenanzahl. Das ist Gold wert. Ich mag das auch, über alles die Kontrolle zu haben. Ich bekomme auf diese Weise sofort mit, wenn es an einer Stelle hakt und kann sofort Nachsteuern. Außerdem finde ich, gibt es nichts Schöneres, als zu erleben wie eine eigene Idee am Ende bei der Zielgruppe ankommt und die Resonanz dafür zu ernten. Das ist der wahre Lohn meiner Arbeit. Durch diese End-to-End Verantwortung kann ich auch selbst entscheiden, wann und wie ich innoviere. Entwicklungspotenzial gibt es immer. Wie ich in dem oben genannten MOOC gelernt hatte, bieten vokalem  Workarounds und fehlerhafte Anwendungen gute Design Potenziale. So auch eines meiner Onboardingthemen, dass ich verantwortete. Neue strategische Ausrichtungen eröffneten mir die Möglichkeit hier ein neues Projekt aufzusetzen, welches ich mir selbst freiwillig gesucht hatte. Es geht darum, die beste Community Experience für neue Mitarbeiter zu kreieren. Eine perfekte Ergänzung und Fortführung zu der Einführungsveranstaltung, die ich für neue MitarbeiterInnen verantwortete.

2. Begeistere Kollegen für deine Idee und frage nach Feedback

Begeistere deine Kollegen
Begeistere deine Kollegen

Mir war schnell klar, dass ich meine Challenge nicht alleine gelöst bekomme und ich Hilfe von erfahrenen KollegenInnen benötigen werde. Schließlich war ich vor allem in Hinblick der Design Thinking Methodik blutige Anfängerin. Ich wollte aber nicht, dass mir klassisch Mitarbeiter zugewiesen werden, die dann womöglich halbmotiviert mitarbeiten und unterschwellig den Erfolg des Projekts unnötig sabotieren. Grundsätzlich ist es mir wichtig, dass ich nur mit Menschen zusammenarbeiten, die genauso für die Themen brennen wie ich. Auf diese Weise komme ich viel schneller zu konkreten Ergebnissen, außerdem macht das einfach viel mehr Spaß. Also nutzte ich interne soziale Medien zur Verbreitung meines Vorhabens. Ich teilte einen ersten Planungsstand und bat um Feedback. Das klappte ganz hervorragend, denn so lernte ich Hendric kennen. Ein Kollege verlinkte ihn auf meinen Beitrag. Als ich das erste Mal auf Hendric traf, passte alles sofort. Wir hatten gleiche Interessen und dasselbe Verständnis von Arbeit im digitalen Kontext. Die Chemie passte auf Anhieb und wir entschieden zusammenzuarbeiten. Von da an waren wir im Flow. Ich freute mich riesig darüber, Hendric für meine Idee gewinnen zu können. Er sagte mir sogar als Moderator und Mentor für meine Design Thinking Challenge zu und bat mir ein Coaching in der Vorbereitungsphase an.

„Wow, wie geil ist das denn!“dachte ich.

Nun benötigte ich noch ein Projektteam. Ich schrieb mehrere hundert Kollegen an, berichtete über meine Idee und mein Vorhaben und motivierte sie mitzumachen, indem ich Ihnen die Vorteile für sich selbst bewarb. Innerhalb von zwei Wochen sagten Kollegen im zweistelligen Bereich zu.  Alle wollten freiwillig mitmachen und das Projektteam stand somit fest. Bis hierhin lief es wie am Schürchen, jetzt wurde es schwieriger.

3. Motiviere deine Kollegen mit dir zu arbeiten

Motiviere deine Kollegen mit dir zu arbeiten
Motiviere deine Kollegen mit dir zu arbeiten

Nachdem ich einen Termin für meine Design Thinking Challenge, die als Projekt Kick-off angedacht war, gefunden und die Einladungen an alle Teilnehmer verschickt hatte, begann ich meine Teilnehmer Stück für Stück zu verlieren. Mit der Zeit trudelten immer mehr Absagen ein. Die Absagegründe waren nachvollziehbar. Alle nahmen auf der Basis von Freiwilligkeit teil. Das bedeutete, dass mein Thema unterste Priorität hatte. Natürlich muss erst das Kerngeschäft sichergestellt werden, bevor man sich freiwilligen Aufgaben widmen kann. Das ging mir ja ganz genauso. Sobald neue Aufgaben vom Chef auf den Tisch kommen, müssen diese zunächst erledigt werden. Viele der Teilnehmer gerieten so unter Termindruck und Zeitmangel, was zunächst nicht absehbar war und sagten daher ab. Einen Großteil der Orgaarbeit für die Challenge erledigte ich in meiner privaten Zeit. Daran merkte ich selbst, wie schwierig es ist, bei freiwilligen Aufgaben am Ball zu bleiben. Ich stellte fest, dass die Verbindlichkeit bei einem bottom-up organisierten Projekt wesentlich geringer ist. Ich überlegte, wie ich dem beim nächsten Mal entgegenwirken kann und nahm mir vor, zukünftig mehr Zeit und Aufwand in das Teilnehmer-Engagement zu stecken. Mir war es wichtig, dass die Teilnehmer sich wegen der Absage nicht schlecht fühlten und zeigte daher immer Verständnis, erwartete keine Rechtfertigung und bat an, dass sie selbstbestimmt zu jeden Zeitpunkt wieder in das Projekt einsteigen können. Sie sollten sich während der Zusammenarbeit frei und ungezwungen fühlen. Mir war es auch wichtig, dieses Projekt zu einer richtigen Learning Experience für die Teilnehmer zu machen. Es sollte zu einem Erlebnis werden, daran teilzunehmen. So richtete ich alles Weitere darauf aus. Ich ging bis 1 Tag vor der 2-tägigen Challenge in weitere Rekrutierungsrunden und fand weitere Teilnehmer. Natürlich überlegte ich auch, ob ich hätte verbindlicher vorab kommunizieren können. Das Projekt war nicht perfekt geplant, das Ergebnis völlig offen und nur eine grobe Marschrichtung war vorgegeben. Ich war einfach in das kalte Wasser gesprungen und hatte losgelegt. Das bietet entsprechend Raum für Unsicherheit und führte womöglich zu Absagen seitens der Teilnehmer, die am anderen Ende konkrete Fakten an Ihre Chefs reporten müssen.

4. Organisiere alles selbst

Organisiere alles selbst
Organisiere alles selbst

Eine weitere wichtige Lernerfahrung war, dass man für eine Design Thinking Challenge wesentlich mehr Materialien als für einen herkömmlichen Workshop organisieren muss. Auch die Anforderungen an die Umgebung, in der die Challenge durchgeführt wird, ist sehr viel anspruchsvoller. Eine kreative Arbeitsumgebung musste her! Ich stellte fest, dass ich für die Planung und Organisation ziemlich wenig Zeit eingeplant hatte. Also überlegte ich, wie ich Zeit sparen konnte. Für die Organisation der Materialien sah ich allein wegen der Bewältigung der damit verbundenen Einkaufsprozesse eine unüberwindbare Hürde.

„Verdammt, dieser Einkauf!“

Ich suchte nach einem compliant Workaround. Dieser bestand darin, dass ich alle Materialien privat auslegte und sie mir anschließend über meinen Arbeitgeber erstatten ließ. Zum Glück hatte ich einen ausreichenden Dispo bei meiner Bank, dachte ich mir. Der Workaround half mir, die Challenge schneller zu realisieren und lagerte einen Teil des Beschaffungsvorgangs auf die Zeit nach der Challenge aus, was mir etwas Luft im Vorfeld verschaffte. Hendric gab mir sehr gute Tipps zu den Materialien, die einkaufen und vorbereiten konnte. Bei Amazon shoppte ich einen Großteil der Materialien, im Lego Onlineshop schaute ich auch vorbei und einen Besuch im Kreativmarkt am Wochenende erfolgte ebenso. Ich war dankbar über alles, was ich intern an Materialien organisieren konnte. Natürlich durfte auch ein Einkauf bei meinem Lieblingsanbieter für Workshopmaterialien nicht fehlen, hier gab es einfach die besten Workshopmaterialien, vokalem Marker in allen Farben.

5. Arbeite als wenn es deine erste Liebe wäre

Arbeite als wenn es deine erste Liebe wäre
Arbeite als wenn es deine erste Liebe wäre

Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis. Ich war noch nie überzeugt von dem Work-Life-Balance Konzept. Ich möchte keinen Job haben, von dem ich mich privat erholen muss. Wir arbeiten soviel Zeit unseres Lebens, da sollte arbeiten doch Spaß machen und nicht nur zweckmäßig zum Begleichen von Lebenshaltungskosten betrieben werden. Viel eher kann ich mich daher mit dem Work-Life-Romance Prinzip identifizieren. Demnach sollte arbeiten Spaß und glücklich machen. Die Umsetzung dieses Prinzip bedeutet für mich auch, dass ich emotional mit meinem Job verbunden bin und bei Allem was ich mache mit Leib und Seele dabei bin. Ich würde mein letztes Hemd für den Erfolg eines meiner Projekte geben. Das ist natürlich nicht immer einfach für mich. Emotional mit seinem Job verbunden zu sein, bedeutet auch, verletzlich zu sein und seelische Schmerzen zu erleiden. So gab es im Rahmen der Design Thinking Challenge immer einen kleinen Stich in mein Herz, wenn ein weiterer Teilnehmer abgesagt hatte und traurig hatte mich das auch gemacht. Sowas passiert. Ich habe viel darüber nachgedacht, ob es daher nicht besser wäre, mich grundsätzlich von meinem Job emotional zu distanzieren und statt auf Wolke 7 und dem harten Boden der Tatsachen hin- und her zu fallen, lieber konstant auf Wolke 4 zu bleiben. Ich bin allerdings zu dem Schluss gekommen, dass ich das nicht möchte. Die Hochs gibt es ohne die Tiefs nun Mal nicht. Ich möchte nicht abstumpfen, sondern lebendig sein. Das Glitzern in den Augen steckt dann auch Andere an und nichts ist schöner als Anderen zu der Erkenntnis zu verhelfen, dass Arbeit Spass machen kann.

„(…) Es war eine echt geniale Erfahrung mit euch zusammen als Team am Thema Community X-Perience für neue MA zu forschen. Ich fand es toll, endlich innerhalb eines kleinen Projektes, als vollwertiges Mitglied angesehen zu werden und meine Ideen und meinen Input mit einfließen lassen zu können. (…)“ – Ein Teilnehmer

Wenn ich die Möglichkeit habe, solch ein Feedback von Anderen, die aus freien Stücken und nicht auf Basis eines Abhängigkeitsverhältnissen mit mir arbeiten, zu bekommen, dann lohnt sich der Schmerz, der auf dem Weg passiert, allemal. Diese 2 Tage haben soviel Spass gemacht, dass sich jeglicher Einsatz an Mut, Zeit und Geld gelohnt hat. Ich mache es jederzeit wieder so. Was denkt Ihr darüber?

 

Und hier gibt es einen kleinen Eindruck zu meiner ersten selbst initiierten und organisierten Design Thinking Challenge, danke Hendric für das geile Video!

Ich danke außerdem meinen tollen Kollegen, die bei der Umsetzung der Challenge mitgemacht haben. Ihr habt GEROCKT!!!!

Eure Janine

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Ich Merck schon, das wird mega!

Posted on 21. Mai 2017

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1 Comment

  1. Treasure 18 – Pay and design thinking – Company Pirate
    2 Monaten ago

    […] people who are intrinsically motivated to support it and then just follow your passion and do it: Wie man eine Design Thinking Challenge bottom-up organisiert (10 min, text, […]

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